Feb 172006
 

Während dem Auf-die-Beine-stellen des LCFC-Teamevents lief Stefan K., nein wartet, nennen wir ihn S. Koller…ach was, lief unser Sol ohne mit der Wimper zu zucken über den Fussgängerstreifen schnurstracks in den Feierabendverkehr hinein. Allfällige Hupkonzerte und geschwenkte Mittelfinger ignorierte er strikt, stattdessen bekam ich zu hören, dass es ihm ungerecht erscheine, wenn vortrittsberechtigte Plattfuss- und Grossstadtindianer beim Überqueren der Strasse um ihr Leben fürchten müssen.

Tatsächlich scheint der Individualverkehrs-Lobby in der Schweiz ein Meisterstück gelungen zu sein. Nicht nur verachten die AutofahrerInnen den Fussgänger, welcher am Strassenrand auf ein Schmelzwasserrinnsal in der Blechlawine wartet. Mehr noch, den Fussgänger überkommt sogar ein schlechtes Gewissen, wenn seinetwegen eine Kolonne rollender ungefilterter Dieselfabriken zum kurzfristigen Anhalten gezwungen ist. Dies ist schlichtweg inakzeptabel.

Vorschlag zur Verbesserung. Statt des „Warte, Luege, Lose…Laufe!“-Humbugs, welcher von pensionierten Verkehrspolizisten an Primarschulen den Verkehrs-Dschungel-Unerfahrenen eingetrichtert wird, sollte diesen vielmehr eine zünftige Portion Selbstbewusstsein am Fussgängerstreifen gelehrt werden: hypnotisierender Augenkontakt zum heranrauschenden Automobilisten, sichere Schrittfolgen (auch geeignet für Stéphane Lambiel-Nachahmer) und stolz durchgedrückte Fussgängerbrust wären die Basics. Finessen wie das eindeutig bedruckte T-Shirt („Halte vor dem Streifen, sonst lüftle ich dir deine Reifen“), die mehrdeutige Zeichensprache oder das Halten der scheibenzerklirrenden Tonlage des hohen Cs kämen in einer späteren Lektion zur Sprache. Denn nicht jeder ist ein Abwehrturm und kann eine Mutprobe gegen den 36-er Bus ohne weiteres aufnehmen.

 Veröffentlicht von am 17/02/2006

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