Jun 222005
 

Menschen, die ihr Riechorgan mit Salzlösung spülen, mit Nasalspray malträtieren und ihre Augen mit Weleda-Tropfen bis zum Rand füllen, müssen einen verzweifelten Eindruck vermitteln. Und dieser ist gar nicht so irreführend, denn der Heuschnupfen kann einen Nasen- und Ohrenbesitzer (davon gibt es viele), der auf Gräser, Blumen, Pollen allergisch reagiert (davon gibt es immer mehr) auf die Palme treiben. Und dann ist zu hoffen, dass die Palme nicht gerade blüht, sonst blüht dem Kletterer sein blaues Wunder. Apropos Wunder. Ein netter Nebeneffekt ist die wunde Oberlippe, die vom extensiven Taschentuchgebrauch durchgescheuert ist. Da hilft ein bescheuertes Tempo (jetzt neu mit acht sanften Lagen) wenig, denn die Nase läuft in einer eigenen Liga. Ich würde sogar behaupten, hätte Lietsch gegen ein solches Lauftalent antreten müssen, wir hätten uns den Meistertitel an das Bein streichen können.

Der Heuschnupfen hat eine paradoxe Wirkung. Denn sobald Petrus, vom Morgästraich eingeschüchtert, die Frühlings- und Sommermonate mit lupenreinem Wetter segnet und daraufhin auch die Gesichter auf Erden strahlen wie kleine Sonnen, ziehen sich die Mundwinkel des Allergikers nach unten. Als ob am Lippenende je ein Amboss ziehen würde. Die Armee der Natur rückt vor, deren Pollen-Fallschirmtruppen landen in Feindesgebiet und die Gräser- und Blumen-Bodentruppen bringen die Artillerie in Stellung.

Ob mit oben genannten Mittelchen, mit der Schulmedizin-Keule oder mit der neuerdings krankenkassenungedeckten Homöopathie: der wohltuende Effekt hält sich in (Sch)engen Grenzen.

Meistens hilft nur eines, nämlich Augen zu, durch den Arisdorftunnel, und fussballspielen.

 Veröffentlicht von am 22/06/2005

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