Jan 222005
 

George W. Bush tuts, unser Coach tuts, sogar der Dalai Lama tuts. Menschen niesen. Oft und überall. O.k., der Dalai Lama kommt wahrscheinlich nicht dazu, der hält sich ja dauernd den Bauch vor lauter lachen. Egal. Einem Nieser folgt echogleich das “Gesundheit”. Dem Nieser wird also gewünscht, er möge gesund werden, oder gesund bleiben. Das nenne ich einen wunderbar mitfühlsamen Wunsch! Da wird an jeglichen Orten mitgefühlt. Im H&M, im Bus nach Arisdorf, im Joggeli, im Büro: überall mitfühlende Mitmenschen!
Zurück zur Realität und zur Aussage dieser Wortanhäufung hier. Das “Gesundheit”, welches auf ein “Hatschi” folgt, ist dermassen abgenutzt und daher wertentleert, dass die ursprüngliche Botschaft vollkommen verloren gegangen ist. Niemand wünscht dem Nieser wirklich, dass er gesund werde oder bleibe. Eine sozio-historische Anteilsnahmetradition, die zur Alibihandlung verkommen ist. Ich gehe nun nicht soweit, alle Gesundheit-sager Heuchlern gleichzustellen. Und ich hüte mich davor, als Lietscher Moralapostel aufzutreten. Und trotzdem wäre es doch nicht verkehrt, auf den nächsten Nieser mit einem bewussteren “Gesundheit” zu reagieren.
Das gleiche mit dem neueingedeutschten “Sorry”. Dieser Ausdruck birgt inhaltlich selten Reue. Auch er ist zur alltäglichen Floskel geworden, und noch arger, dient er manchmal zur Rechtfertigung von vorsätzlich begangenen Taten. Da schliesse ich mich mit ein! Und ich nehme mir vor, nach der nächsten Blutgrätsche eine ehrliche Entschuldigung auszusprechen.
Oder dann halt gar keine.

 Veröffentlicht von am 22/01/2005

 Antworten

(notwendig)

(notwendig)