Mrz 282013
 

Wer die Diskussionen verfolgt um die Kantonsfusion, hört des Öfteren das Argument von Anpassen an die Lebenswirklichkeiten.

Dieses Zitat gefällt mir ausserordentlich gut. Es lässt sich nahtlos übertragen auf die Gründung des Lietsch City Football Club Basel. Nach langjährige Diskussionen machten im Spätherbst 2012 ein paar innovative Leute endlich Nägel mit Köpfen. Ein wegweisender Entscheid für die ganze Lietsch-Familie.

Der Geist und die Tradition von Lietsch beruhen auf wenig Formalistischem. Der Spass, die Spontanität und die Geselligkeit (Kameradschaft tönt zu sehr nach Schützenverein) soll im Vordergrund stehen. Klassische Vereinsverpflichtungen, zu viele Verbindlichkeiten und Formalitäten sind der Mehrheit zuwider. Das ist absolut verständlich. Wenn die Liberalen plädieren für  “so wenig Staat wie möglich, so viel Staat wie nötig”, heisst das übertragen im Lietsch-Jargon “so wenig Organisation wie möglich, so viel Organisation wie nötig”. Das zeigt sich immer wieder bei den emotionalen Doodle-Diskussionen. Mittlerweile halte ich mich da raus.

Entscheid von historischem Ausmass

Für die Zukunft der Bewegung Lietsch City war der Schritt zur statuarischen Gründung mit Vereinskonto matchendscheidend und von historischer Dimension. Auf dem Bruderholz ist der typische Lietsch-Geist wieder erwacht, den ich im Gym Liestal so sehnlichst vermisst habe. Ich hänge am Mittwochskick mit Leib und Seele. Wir waren in Itingen wie eine Familie. Wir pflegten die 3. Halbzeit und begleiteten uns durch alle wichtigen Lebensphasen zwischen dem 20. und 30. Altersjahr. Jeder kann sich ausmalen, wie das Leben so spielt in dieser Zeit, welche Weichen es stellt für die Zukunft, welche ungeplanten Wendungen es nimmt. Das schweisst zusammen.

Nachträglich gebe ich es zu: Ich konnte mich nie anfreunden mit dem Gym Liestal. Der Hin- und Rückweg dauerte so lange wie der Kick selbst. Die 3. Halbzeit war nahezu inexistent. Es schmeckte einfach zu wenig nach Lietsch. Für mich war das immer nur eine provisorische Lösung. Wir liefen mittelfristig in eine ungewisse Zukunft. Die Bewegung drohte auseinanderzubrechen. Maximal die Hälfte der Itinger Gruppe liess sich regelmässig auf dem Gym blicken. Das Lietscher “Wir-Gefühl” mussten wir mit der Lupe suchen.

Mit 30 will die Mehrheit nicht mehr auf dem Grossfeld spielen

Vielen war der Aufwand mit der Anfahrt zu gross oder wollten lieber auf dem Kleinfeld spielen. Oder lag es am Dienstag?  Auf dem Kleinfeld spielt man auf Bänkli ohne Torhüter. Jeder hat seinen Spass und ist in Bewegung. In einer Dreifachhalle mit Handballtoren ist der Fussball komplett anders: Goalie-Zwang, weite Laufwege, härtere und höhere Schüsse usw. Für technische Kabinettstücke ist das Spiel wenig geeignet. Mit 30 kommt langsam der Bauch und die Kondition lässt nach. Das sind ganz natürliche Prozesse des körperlichen Zerfalls.

Der Kollaps ist ein stetiger Gefahrenherd

Interessierten empfehle ich wärmstens den Bestseller Der Kollaps von Jared Diamond. Das Buch behandelt die Frage, weshalb Gesellschaften überleben oder untergehen. Wie eine Beziehung, muss man auch einen Verein pflegen. Von nichts, kommt nichts. Der Kollaps kommt schneller als man denkt. Ich höre heute noch die Dutzenden  “Ach, wie schade”-Stimmen nach dem Untergang des NLA-Unihockeyclubs Basel Magic. Von diesen Stimmen kann man sich im Nachhinein nichts kaufen. Die helfen gar nichts. Wir erinnern uns lieber an Gorbatschow: “Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.”

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Das Überleben eines Vereins ist kein Naturgesetz. Irgendwann wird es auch Lietsch nicht mehr geben. Das ist völlig klar. Aber wir als Verein haben es selbst in der Hand, die Bewegung möglichst lange am Leben zu erhalten. Es ist eine dauerhafte Aufgabe, Lietsch immer wieder neue Impulse einzuimpfen. Und genau so ein dringend nötiger Impuls war eben die Gründung von Lietsch City Football Club Basel. Ohne ein Mindestmass an Struktur und Organisation geht es einfach nicht. “Wer hat den Lead?”, “Wer ist Problem-Owner” höre ich tagtäglich im Geschäft. Wer dies nicht begreift, der blicke bitteschön nach Deutschland zur Piratenpartei. Nach ersten Erfolgen bei Landtagswahlen drohen die Piraten noch vor den ersten Bundestagswahlen im Herbst komplett abzusaufen / zu kentern.

Mut zur Veränderung – die Damen machen es vor

Ein hervorragendes Beispiel, wie sich ein Verein den Lebenswirklichkeiten anpasst, liefert die Damenriege Bottmingen. Nur noch wenige Damen zwischen 20 und 60 wollen sich heute noch abmühen im altbackenen Riegen-Groove. Besonders im urbanen und Agglo-Gebiet leiden die Riegen an Mitgliederschwund. Die Lösung: Jeden Monat gibt es einen Zumba-Abend in der Turnhalle. Nichtmitgliederinnen können für einen sehr günstigen Unkostenbeitrag von 10 Franken spontan teilnehmen. Dies entspricht dem Zeitgeist der Unverbindlichkeit und Spontanität. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. In ein paar Jahren ist der Zumba-Boom vielleicht vorbei und die Damen müssen das Konzept wieder überarbeiten.

Eine ähnliche Entwicklung haben die Damen vom HC Vikings hinter sich. Welche Dame will im Ü40-Alter noch eine Sportart ausüben mit einem derart hohen Verletzungsrisiko? Mit Verlaub: Für uns Herren der Schöpfung gibt es weitaus ästhetischere Anblicke als Handballerinnen im Ü40-Alter. Zum Beispiel NLA-Volleyball bei Sm’ Aesch Pfeffingen. Die Liestalerinnen hingen deshalb im März 2009 die Handballausrüstung an den Nagel und pflegen nun als Fitness-Damen ein polysportives Programm.

Wo trifft man die Mittwochs-Kicker in der 3. Halbzeit?

Jahrelang verkehrten die Mittwochs-Kicker im Itinger Rössli mit den legendären Pizza-Brötli. Als neues Stammlokal hat sich der Braune Mutz herauskristalisiert. Der Mutz liegt an einem strategisch geschickten Verkehrsknotenpunkt und trumpft mit seiner Bierauswahl auf. Aus dem früheren Absturz-Spunten wurde nach dem Umbau eine richtig schöne traditionelle Gentlemen-Beiz. Näher beim Bruderholz liegt das Bottminger Statiönli. In dieser gutbürgerlichen Beiz mit feinen Salatgerichten, deftiger Wurstplatte und fairen Bierpreisen haben wir auch schon einen unvergesslichen Abend verbracht. Jeden Mittwochabend kehrt nämlich der Musikverein Bottmingen zum Umtrunk ein nach der Probe. Für Stimmung ist garantiert.

 Veröffentlicht von am 28/03/2013

  3 Antworten zu “Ein Hoch auf das Bruderholz”

  1. Honey meint dazu am

    muaaaa…. Do muesi au moll wieder vrbiluege… Numme bitte in Zuekunft ke Dame Zumba verglich me…

    • household.a0 What do you think am I being too harsh, or is this kitchen a caniddate for Casa Moxie’s IGNORE THIS ROOM decal? Related Posts:Nice range, shame about the layoutThis

  2. yves meint dazu am

    @Honey. D’Mittwochskicker sötte mol gschlosse go Zumba tanze! Diä vo dr Dameriegi Bottmige hätte sicher nüt gege e paar knackigi Bursche!

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